Millionen von Asiaten leben vom Wasser der großen Flüsse aus dem Himalaya. Doch dort schmelzen die Gletscher. In der Zukunft wird das zu Wassermangel und schlechteren Ernten führen.
In der kleinen Stadt Leh im Norden Indiens erzählt der Bauer Karma Jamyang von den Ereignissen im August 2010: “Blitze erleuchteten den Himmel, Donner erschütterte die Berge, und dann fing es an, heftig zu regnen. Es regnete so stark, wie ich es noch nie erlebt hatte.” In dieser Nacht starben fast 200 Menschen. Karma Jamyang und seine Familie konnten sich retten, aber sie verloren ihr ganzes Hab und Gut.
Leh liegt in einer Wüste 3500 Meter über dem Meer. Hier regnet es normalerweise nicht mehr als in der Sahara. Indische Meteorologen machen den weltweiten Klimawandel für das ungewöhnliche Wetter mitverantwortlich. Nach Angaben des Forschungsinstituts ICIMOD hat sich die tiefste Temperatur im Winter in dieser Region um ein Grad erhöht.
Ein Grad Temperaturunterschied, der die Natur stark verändert: Bei einer Befragung des französischen Instituts GERES sagten Dorfbewohner, dass im Winter weniger Schnee fällt, dass die Obstbäume früher blühen und die Zugvögel länger bleiben. Wenn weniger Schnee fällt und gleichzeitig die Temperaturen steigen, bekommen die Gletscher weniger Nachschub und schmelzen.
GERES-Mitarbeiter Samten Choephel sagt: “Die Mehrzahl der Dorfbewohner sind auf das Schmelzwasser der Gletscher angewiesen, zum Trinken und Kochen, aber auch zur Bewässerung der Felder.” Klimaforscher erwarten, dass es in der Zukunft in weiten Teilen Südasiens Wassermangel geben wird.
Glossar
Klimawandel, der – die Veränderung des Klimas
Himalaya, der – hohe Bergkette zwischen Indien und Tibet
schmelzen – durch Wärme flüssig werden
Gletscher, der – der Berg aus Eis
Wassermangel, der – die Tatsache, dass es zu wenig Wasser gibt
etwas erleuchten – etwas mit Licht hell machen
etwas erschüttern – etwas zum Zittern bringen
heftig – sehr stark
Hab und Gut, das – alles, was jemand besitzt
Wüste, die – ein Gebiet mit viel Sand oder Steinen, in dem es fast nie regnet
Meteorologe/Meteorologin, der/die – der/die Wetterexperte/Wetterexpertin
etwas mitverantwortlich machen – hier: sagen, dass etwas auch ein Grund ist
nach Angaben des/der – so, wie es jemand gesagt hat; nach Informationen von jemandem
Befragung, die – eine Untersuchung, bei der man mehreren Personen die gleichen Fragen stellt
Zugvogel, der – der Vogel, der die verschiedenen Jahreszeiten an unterschiedlichen Orten verbringt
Nachschub bekommen – mehr von etwas bekommen
jemand ist auf etwas angewiesen (mit Akkusativ) – jemand braucht etwas dringend
Bewässerung, die – das Versorgen mit Wasser
in weiten Teilen – in einem großen Bereich
Fragen zum Text
1. In der indischen Stadt Leh starben im August 2010 fast 200 Menschen, weil …
a) es so heftig geregnet hat.
b) es nicht genug Wasser gab.
c) die Ernte in diesem Jahr sehr schlecht gewesen war.
2. Was ist nach Meinung der Meteorologen verantwortlich für das heftige Wetter?
a) der Wassermangel
b) die Sahara
c) der Klimawandel
3. Die Zugvögel bleiben länger in Leh als gewöhnlich, weil …
a) die Obstbäume länger blühen.
b) es dort seit einiger Zeit länger wärmer ist.
c) sie Regen mögen.
4. Ergänzen Sie diesen Satz sinnvoll: “Um in der Wüste überleben zu können, sind die Dorfbewohner auf … angewiesen.”
a) das Wasser der Gletscher
b) ihre Felder
c) der Klimawandel
5. Ergänzen Sie das richtige Verb: “Der Anstieg der Temperatur wird in der Zukunft zu einer schlechteren Lebenssituation der Menschen in Südasien …”
a) führen
b) kommen
c) geben
Arbeitsauftrag
Woran erkennt man den Klimawandel noch? Machen Sie eine Stichpunktliste mit Veränderungen, die sich in der Welt beobachten lassen. Überlegen Sie dann: Was können die Menschen tun, damit sich der Klimawandel verlangsamt? Schreiben Sie eine zweite Liste mit möglichen Maßnahmen. Wählen Sie drei Punkte aus jeder Liste aus und formulieren Sie sie schriftlich in ganzen Sätzen aus.
Autoren: Rainer Hörig/Anne Gassen
Redaktion: Shirin Kasraeian